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Love, Peace and Happiness – Hippies auf Ibiza

Viele Menschen auf der Suche nach einer besseren Art zu leben, sogenannte Hippies, wurden auf Ibiza fündig. Neben San Francisco, Amsterdam und Goa war Ibiza eines der Zentren der Hippiebewegung.

Gebildete junge Menschen folgen ihren Idealen

Zu Beginn der 1960er-Jahre war Ibiza eine verträumte Insel,  auf der eine bäuerliche Bevölkerung lebte. Von den Wirren des Weltgeschehens  war man hier weit entfernt, und das war der Grund, warum junge Amerikaner die Insel aufsuchten.  Der Vietnamkrieg spitzte sich zu und die USA nahm zunehmend aktiv teil. Einige junge Menschen lehnten den Krieg entschieden ab. Um sich der damals in den USA geltenden Wehrplicht zu entziehen, verließen sie Amerika und einige landeten auf Ibiza.

Schon bald folgten weitere Menschen, die eine Alternative zu den Lebensentwürfen der Gesellschaft suchten. Zentrale Prinzipien waren die Ablehnung von Gewalt, Spiritualität, oftmals unterstützt durch bewusstseinserweiternde Drogen, Freie Liebe ohne Konventionen und das Leben in Einklang mit der Natur. All das fanden sie auf Ibiza.

Dieser Lebensstil stand diametral  dem der einheimischen Bevölkerung gegenüber. Aber die Einheimischen waren den Neuankömmlingen, die sie Peluts oder Melenudos nannten, was so viel wie „Langhaarige“ bedeutet, sehr aufgeschlossen gegenüber. Ungeachtet der unkonventionellen Geisteshaltung kamen die Hippies oft aus gutem Haus, waren wohlerzogen und wurden auch im Exil von ihren Eltern nicht selten großzügig unterstützt.  Zumindest war es angesichts des damals sehr niedrigen Preisniveaus leicht, relativ betrachtet reich zu sein.

Wie könnte das Leben der Hippies auf Ibiza gewesen sein?

Seit einer Woche sind wir nun auf Ibiza. Wir sind in einem zerfallenen Haus untergekommen, in dem zwei Typen aus Amsterdam leben. Sie haben uns auch den Tipp gegeben, dass am Strand bei Figueretas heute Abend ein Happening stattfinden soll. Wir haben uns auf den Weg gemacht, entlang der staubigen Straßen. Allerdings mussten wir nicht lange warten, bis ein bunt bemalter Bully vorbeikam. Ohne dass wir winken mussten, hielt er an und nahm uns mit, obwohl er eigentlich schon recht voll war mit anderen, die auch zu dem Happening wollten.

Der Strand ist lang, der Sand goldgelb und die Stadt ist ein ganzes Stück weit weg. Hinter uns sind Felder und hier und da ein paar Fincas, sonst eigentlich nichts.

Jetzt sind wir schon ein paar Stunden am Strand inmitten einer Gruppe von jungen Menschen, es ist dunkel.  Der Sand ist aber noch warm vom Tag. Die Menschen tragen Schlaghosen, viele Frauen Wickelröcke, einige haben ihre Brüste nicht bedeckt. Viele Männer haben einen Bart, der mehr oder weniger gepflegt ist.

Einige der Anwesenden musizieren, sie haben eine Gitarre, eine Trommel und ein seltsames Instrument dabei, das Rauschen des Meers ergänzt das Klangbild. Andere tanzen sich rund um ein Feuer in Trance. Wir haben uns jetzt in den Kreis gesetzt, in dem es darum geht, zu erforschen, wie sich Moleküle bewegen. Ich kann dem Gespräch nicht ganz folgen, aber vielleicht wird mir ein Zug am Joint der kreist dabei helfen.

Ideale, Drogen und Jet-Set

Mit der Zeit wurde Ibiza immer beliebter als Ziel für Aussteiger. Einige von ihnen waren sehr mobil. Während sie den Sommer auf Ibiza verbrachten, waren sie im Winter auf dem Hippie-Trail in Richtung Indien unterwegs, um im nächsten Sommer Schmuck und Kultgegenstände zurück auf die Insel zu bringen und dort zu verkaufen.

Leider rutschte der ein oder andere in die Drogensucht ab. Es gab nicht nur Haschisch, sondern auch LSD und Heroin auf der Insel. Der Film „More – mehr –immer mehr“ aus dem Jahr 1969 von Barbet Schroeder thematisiert diese dunkle Seite. Die Öffentlichkeit wurde zunehmend auf Ibiza aufmerksam. Dabei wurde die Bewegung nicht selten effekthascherisch auf Teilaspekte wie Drogen und Sex reduziert.

Andererseits stieg die Bekanntheit auch in Jet-Set-Kreisen. Ibiza wurde ein trendiges Ziel, um dort einige Zeit zu verbringen, ohne gleich sein gesamtes bürgerliches Leben über den Haufen werfen zu müssen. Und wieder wurden die Neuankömmlinge freundlich aufgenommen. Prominente feierten neben „echten“ Peluts, Unterschiede wurden nicht gemacht. Die Szene wurde zunehmend größer, 1973 eröffnete in einer Finca das Pacha, aus dem sich die heutige Diskothek entwickelte.  Weltweit wurde die Hippie-Kultur von Punk abgelöst, nicht auf Ibiza. Dort waren die Nachfolger die Hippies die Raver, deren Lebensart war anfänglich gar nicht so viel anders.

Was ist aus den Hippies und ihrer Kultur geworden?

Viele der ehemaligen Hippies sind zurück in ein bürgerliches Leben in ihrer Heimat gegangen oder haben sich eins auf der Insel aufgebaut. Andere leben noch aktiv den Hippiegedanken und sind nach wie vor auf der Insel. Diese einstigen Blumenkinder sind heute in ihren 70ern.

Ein originalgetreues Hippieleben wie in den 60er-Jahren zu führen, ist schwierig, die Insel und die Menschen auf ihr haben sich irreversibel weiterentwickelt. Einige ursprünglichen Hippies stehen dem heutigen Ibiza kritisch gegenüber. Dabei darf man aber nicht übersehen, wie sehr die Hippies die heutige Insel geprägt haben und welchen Beitrag sie zu ihrer Entwicklung geleistet haben. Ohne sie hätte sich die Clubbing-Szene nicht entwickelt und ohne die besondere Kultur und Atmosphäre hätte sich Ibiza auch nicht als unkonventionelles Luxusreiseziel etablieren können.

Wo kann man heute Hippiekultur erleben?

Die Hippieära hat ihr Erbe hinterlassen. Auf Ibiza gibt es eine große und aktive Yoga- und Spirituellen-Szene. In Landhotels inmitten der Natur ist die andre Seite der Insel weit weg. Ruhe und Meditation steht nichts im Weg.

Ein anderes Erbe  sind die Hippie-Märkte auf der Insel. Die beiden großen Hippie-Märkte Las Dalias und Punta Arabi gehen original auf die Hippie-Zeit zurück. Dort finden sich gleichermaßen moderne Elemente wie auch  Reminiszenzen an vergangene Zeiten.  Zudem gibt es kleinere Märkte wie La Huerta, die neuer sind, aber dafür sehr mit einer ursprünglichen Atmosphäre punkten können. Eine großartige Möglichkeit eine Zeitreise zu machen, sind die Flower Power Partys im Pacha. Das Showprogramm aber auch das Styling vieler Gäste führen dazu, dass man sich schnell in die große Zeit der Hippies zurückversetzt fühlt.

Noch mehr zu Hippies auf Ibiza? Youtube-Playlist mit Videos

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