What happens on Ibiza stays on Ibiza

Wenn dieser Satz ausgesprochen wurde, dann wird es spannend. Es gibt da etwas, was man nicht erzählen darf oder es steht unmittelbar etwas bevor, was niemand erfahren werden darf. Der Puls schlägt schneller und nicht selten wird die Aufregung (Erregung?) mit einem möglichst lässigen Lachen überspielt. Da nachdem die Worte „What happens on Ibiza stays on Ibiza“ gefallen sind, sich naturgemäß jegliche Nachfragen verbieten, bleibt im Dunklen, was genau gemeint ist – Details sowieso, aber auch ein ganz allgemeiner Hinweis in welche Richtung etwas ging – war es nun eine dekadente Orgie oder ging es doch eher nur um die Kneipentour, die über der Kloschüssel endete? Heute wird der Spruch seziert, jetzt und hier, ohne jegliche Tabus.

Ein Spruch, zwei Bedeutungen

Neben „What happens on Ibiza stays on Ibiza“ gibt es die Variante „What happens in Las Vegas stays in Las Vegas“, die auch recht verbreitet ist. Es gibt zwei grundlegende Bedeutungen des Spruchs, die jetzt am Beispiel von Las Vegas und Ibiza erklärt werden. Ibiza repräsentiert den hehren Sinn und Las Vegas die, sagen wir mal, auch ganz nette Bedeutung.

Fangen wir mit dem Blick über den Teich an. Zugegeben, es werden jetzt Klischees bemüht, aber es hilft einfach um den Gedanken zu illustrieren.

Zur Illustration muss Las Vegas mal herhalten

Also, dort leben viele Menschen ein sehr sittsames Leben, geprägt von Fleiß und Verzicht, besonders in Bezug auf zwielichtige Vergnügungen. Die Mensch läuft wie eine Maschine, und es baut sich Druck auf. Und dann 3 Tage Urlaub mit den Jungs– ab nach Las Vegas. In kurzer Zeit muss jetzt Dampf abgelassen werden. An der Slot-Maschine wird das Geld verdient, dass dann später im Strip-Club wieder reinvestiert wird. In der Umgebung von Las Vegas sind zudem noch für die USA unerhörte Dinge legal möglich. Am Montag im Büro ist außer den tierischen Kopfweh dann nichts mehr da und es geht zurück in das normale Leben.

Der Satz „What happens…“ ist hier eine Abmachung oder eine Appell an die Mitwisser, den Mund zu halten. Die Kollegen und nicht-eingeweihten Freunde würden die Geschichten, die es zu erzählen gibt, sehr gut verstehen – „Wir haben uns dem Glücksspiel hingegeben!“ „Wir haben Frauen Geldscheine in die Tangas gesteckt!“ „Wir haben soviel getrunken, dass wir uns übergeben mussten!“ Alles Dinge, die nicht in ein spießiges Weltbild passen, und wofür jemand, der von diesem Weltbild geprägt ist, sich schämen wird. Aber mal ganz abgesehen von dem Moralkram, die Geschichten sind irgendwie auch nichts Besonderes, erwartbar und ehrlich gesagt teilweise auch nicht appetitlich. Also, jeder kann es sich denken, aber wenn die Details erzählt werden, ist der Spott groß. Von daher muss eine Abmachung getroffen werden, dass alle den Mund halten und niemand dann Protagonist der allseits erahnten Abstürz-Geschichte wird.

Eine Selbsterfahrung die eh niemand verstehen würde

Und nun zu der anderen Bedeutung. „What happens on Ibiza stays on Ibiza“ ist eher eine Art Feststellung und ein Ausdruck der Selbsterfahrung. Ibiza gilt als magische Insel. Wenn man sich auf sie einlässt, dann transformiert sie. Man entdeckt neue Seiten an sich selbst, die einen selbst überraschen. Die Stimmung um einen herum greift über und wenn man erst einmal im Bann ist, gibt man selbst einen Teil der Magie weiter.

Was genau dahinter steckt, ist höchst individuell. Es ist in erster Linie ein Gefühl und das Beobachtbare nimmt eine untergeordnete Rolle ein. Vielleicht ist es einfach nur die Schönheit der Insel, vielleicht eine ekstatische Party oder ein amouröses Erlebnis. Aber wie gesagt, das individuelle Erlebnisse überwiegt die Bestandteile, die sich zu einer sensationellen Story verarbeiten lassen.

Mal ganz direkt gesagt, eine Bedeutung ist sicher „Ich könnte es versuchen dir zu erzählen, aber wenn du nicht selbst dort gewesen bist, würdest du es nicht verstehen“. Nach einem Besuch auf Ibiza fühlt man sich einfach gut, mal von dem drängenden Gefühl unbedingt dorthin wieder zurück zu wollen abgesehen. Außerdem, die wirklichen Ibiza-Geheimnisse ergeben sich mit Menschen die man auf der Insel kennengelernt hat. Was will man über jemand erzählen, den zuhause niemand kennt?

Trag Ibiza mit einem Lächeln in dir

Die schönsten Erfahrungen sind doch die, an die man mit einem Lächeln zurück denkt. Die einem mit so etwas mit Stolz erfüllen. Die man nicht weiter erzählt, eher um das Gegenüber nicht neidisch zu machen als etwas zu verstecken. Das sind die Geheimnisse die ich meine, wenn ich zu mir sage „What happens on Ibiza stays on Ibiza“. Ehrlich gesagt sage ich den Satz sehr selten laut, außer ich schreibe gerade ein Essay drüber. Aber er schießt mir sehr oft durch den Kopf, wenn ich mit nicht Ibiza-Kennern rede.

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